Informationsveranstaltung der Gemeinde zur Lagerung von wassergefährenden Stoffen in Überschwemmungsgebieten stieß bei Mariaposchinger Bürgern auf riesiges Interesse.

Am Montag fand im Poschinger Pfarrheim auf Anregung des Gemeinderates und von Bürgermeister Johann Tremmel eine Informationsveranstaltung zur Lagerung von Heizöl in Überschwemmungs-gebieten statt. Das Pfarrheim konnte die zahlreichen Besucher nicht fassen, mehrfach mussten zusätzliche Bänke in den Saal gebracht werden. Bürgermeister Tremmel eröffnete die Veranstaltung gegen 19:15 Uhr mit der Begrüßung der Vortragenden, anschließend übergab er das Wort an den Abteilungsleiter für Umwelt- und Wasserrecht Florian Hölzl vom Landratsamt, der die rechtlichen Grundlagen für die Anpassungspflicht der Heizöltanks vor trug. Nach VAWS § 9 Abs. 4 müssen die Tanks bei Überflutungsgefahr gegen Aufschwimmen gesichert sein, es darf kein Wasser, z. B.  über Entlüftungsöffnungen, Befüll Leitungen oder Peileinrichtungen in die Tanks gelangen, die Behälter müssen vor mechanischer Beschädigung z.B. durch den Wasserdruck bei Überflutung oder durch Treibgut geschützt sein. Um weiterhin Heizöl in Überschwemmungsgebieten lagern zu können ist es erforderlich bis Mitte Juni 2015 dem Landratsamt eine mängelfreie Bescheinigung eines zugelassenen Sachverständigen über die Tanks vorzulegen. Heizöltanks mit einem Fassungsvermögen bis zu 1000 Litern müssen dieselben oben beschriebenen Anforderungen erfüllen. Für diese Behälter ist jedoch kein Sachverständigengutachten erforderlich. Diese Tanks werden von der Fachkundigen Stelle für Wasserwirtschaft des Landratsamtes durch den Sachgebietsleiter Siegfried Ammer oder dessen Mitarbeiter geprüft. Anschließend trug als Vertreter des Brennstoffhandelsverbandes der Sachverständige Franz Brandner zur Lagerung vor. Er stellte fest dass die Lagerung von Heizöl im Überschwemmungsgebiet durchaus möglich ist. Die Tanks müssen jedoch die rechtlichen Vorgaben erfüllen. Einwandige Plastiktanks alter Bauart ohne schriftliche Zulassungsbescheinigungen können nur schwer bzw. nicht auf die Anforderungen in Überflutungsgebieten nachgerüstet werden. Der Einbau neuer Tanks bzw. evtl. Nachrüstungen von doppelwandigen Tanks ist jedoch durchaus möglich. Auch die Montage von Erdtanks ist möglich. In jedem Fall muss der Einbau durch einen zugelassenen Fachbetrieb erfolgen und die Anlage muss nach Erstellung bzw. Umrüstung von einem Sachverständigen geprüft werden. Pauschale Aussagen ob eine Altanlage nachrüstbar ist können nicht getroffen werden. Um definitive Aussagen zu bekommen, ist eine Einzelprüfung jedes Tanks vor Ort zwingend erforderlich. Die Sachbearbeiterin Barbara Mendi von der VG Geschäftsstelle Schwarzach wies in diesem Zusammenhang daraufhin, dass die Gemeinde eine Liste mit zugelassenen Sachverständigen an die betroffenen Bürger verteilt hat. Die Beauftragung des Sachverständigen muss jedoch durch jeden Bürger selbst erfolgen, eine „Sammelbeauftragung“ durch die Gemeinde kommt aus rechtlichen Gründen nicht in Frage. Dann befasste man sich mit alternativen Energieträgern, neben Wärmepumpen, Holz-, Hackschnitzel-, oder Pelletheizungen käme auch Gas als Energieträger in Frage. Da ein Anschluss an das Erdgasnetz nicht wirtschaftlich ist müsste hier Flüssiggas eingesetzt werden. Deshalb trugen Vertreter der Firmen Primagas, Tyczka Totalgaz und Scharr zur Lagerung von Flüssiggas vor. So könnte zum Beispiel mit einem kommunalen Gasversorgungsnetz in einem Straßenzug mehrere Häuser aus einem Gastank versorgt werden. Auch die Aufstellung von Einzeltanks oder von privaten Kleinnetzen, bei denen zwei oder drei Verbraucher an einem Tank angeschlossen sind ist möglich. Dabei sind einige Vorgaben zu beachten. Die Sachgebietsleiterin Brigitte Tschimmel die für Wasserrecht zuständig ist erklärte, dass bei der Aufstellung von Einzelgastanks bis zu einer Größe von 2,9 Tonnen ein Antrag zu stellen ist. Das Formular wird in der Homepage des Landratsamtes eingestellt bzw. auf Anfrage bei der Sachgebietsleiterin Tschimmel – nur bis 13:00Uhr – zu erhalten. Die Genehmigung so Abteilungsleiter Hölzl soll unbürokratisch erteilt werden. Bei der oberirdischen Lagerung von Gasbehältern sind Mindestabstände zu Gebäuden zu beachten, die Vertreter boten dazu Einzelfallberatungen an. Auch der Schutz vor Beschädigungen des Tanks vor Treibgut bei Überflutungen ist zu beachten. Der Sachbearbeiter des Wasserwirtschaftsamtes Deggendorf Dorfner gab dazu bekannt, dass bei Überflutungen das gesamte Gebiet als Fließgewässer einzustufen ist. Die Gaslieferer bemerkten dass es in Überschwemmungsgebieten sinnvoll sei die Tanks unterirdisch einzubauen. Bei dieser Lagerungsart ist die Verankerung der Tanks zur Vermeidung gegen aufschwimmen technisch machbar. Eine Betonplatte an der die Tanks befestigt werden oder der Einbau von speziellen Paddeltanks könnten die geforderte 1,3 fache Sicherheit gegen aufschwimmen gewährleisten. Dorfner merkte dazu an, dass die Grundwasserdruckverhältnisse beachtet werden müssen. Zur Umrüst!ung der Heizungen von Öl auf Gas sind die Hausbesitzer selbst verantwortlich. Die Verlegung der  Gasleitungen übernimmt bei Bedarf die Gas Firma. Grabungsarbeiten müssen vom Hausbesitzer veranlasst werden. Bürgermeister Tremmel bemerkte dazu, dass die Gemeinde auf die Initiative der Bürger angewiesen ist. Sollten mehrere Hausbesitzer in einer Straße Gasanschlüsse wünschen, ist dies umgehend an die Verwaltung zu melden. Der Einbau von kleinen Gasnetzen kann dann geprüft werden. Bei der anschließenden intensiven Diskussion gab Abteilungsleiter Hölzl bekannt, dass der Termin zur Abgabe des Sachverständigen Gutachtens Mitte Juni 2015 bestehen bleibt. Es gibt keine allgemeine Verlängerung, Einzelfälle werden geprüft. Bei Nichteinhaltung des Termins ist mit einem erneuten Bescheid des Landratsamtes an die betroffenen Bürger zu rechnen. Die Frage ob nach der Aufstellung von Gastanks ebenfalls ein Sachverständigengutachten erforderlich ist wird vom Landratsamt noch geprüft.
Die Inbetriebnahme Prüfung der Gaslieferer könnte als ausreichend bewertet werden. Bürgermeister Tremmel schloss anschließend die Veranstaltung gegen 23:15 Uhr.